Hi!
Ich kenn mich mit Verschlüsselungen nicht wirklich aus und hätte da
interessehalber eine Frage an die Profis:
Wenn jmd. eine verschlüsselte Datei / Nachricht... knacken will,
wie erkennt er eigentlich dass er erfolgreich war (wenn er den
unverschlüsselten Inhalt nicht kennt)?
Muss der checken ob das was rauskommt sinnvoller Text ist oder wird
'Schlüssel passt' anders erkannt?
Danke für eure Hilfe,
Fred
Fred vom Jupiter schrieb:> wie erkennt er eigentlich dass er erfolgreich war (wenn er den> unverschlüsselten Inhalt nicht kennt)?
gar nicht.
> Muss der checken ob das was rauskommt sinnvoller Text ist oder wird> 'Schlüssel passt' anders erkannt?
nein, das würde ein sicherheitsrisiko darstellen.
Einfachstes Beispiel:
http://de.wikipedia.org/wiki/One-Time-Pad
Das muss er checken. Es sei denn es gibt eine Checksume oder andere
Referenz wie z.b. einen Hash.
Auf jeden Fall muss man wissen, was ungefähr rauskommen soll.
Lies mal das hier
http://de.wikipedia.org/wiki/Kryptoanalyse#Angriffsszenarien
Habe mal was interessantes in Bezug auf chosen plaintext gehört: im 2.
Weltkrieg sollen die Aliierten(?) eigentlich unsinnige Mienenfelder
angelegt haben, weil sie wussten, dass die Deutschen die Koordinaten
verschlüsselt über Funk übertragen. Diese Koordinaten waren nix anderes
als der chosen plaintext. Könnte auch Legende sein (grad keinen Bock zu
googlen), macht aber vielleicht Sinn.
Fred vom Jupiter schrieb:> Wenn jmd. eine verschlüsselte Datei / Nachricht... knacken will,> wie erkennt er eigentlich dass er erfolgreich war
In der Regel wohl dadurch, dass am Ende eine sinnvolle Nachricht (in
einer menschlichen Sprache) bzw. eine sinnvoll zu öffnende Datei
herauskommt.
Ro B. schrieb:> Diese Koordinaten waren nix anderes> als der chosen plaintext. Könnte auch Legende sein (grad keinen Bock zu> googlen), macht aber vielleicht Sinn.
ich würde es eher als "known plaintext" bezeichnen (genauso wie die
verschlüsselten wetterberichte aus norwegen). mit den minenfeldern ging
es meines wissens aber eher darum, das koordinaten-netz herauszufinden.
und beides zusammen hat dazu beigetragen, der enigma das genick zu
brechen... (mit alan turing, erbeuteten maschinen, dem designfehler
"reflektor", usw.)
Abhängig con der Schlüssellänge kann das Knacken sehr zeitintensiv sein.
Mit Brure Force Methoden kann man durchaus mehrere Tausend Jahre damit
verbringen, vorausgesetzt man lebt so lange!
Daniel F. schrieb:> ich würde es eher als "known plaintext" bezeichnen (genauso wie die> verschlüsselten wetterberichte aus norwegen)
Hm, das mit dem Wetter sagt mir auf anhieb nix, werd ich mal bei
Gelegenheit nachlesen. Allerdings ist klar, dass das Wetter eher known
als chosen war. Aber die Minenfelder waren ganz klar chosen, denn man
kann ja wählen, wo man das Feld anlegt. Und soweit ich das in Erinnerung
hab, wurden diese Felder mitunter an eigentlich militärisch völlig
unnützen Stellen angelegt. Wichtig war, dass die Koordinaten bei der
chosen-plaintext-Attacke nützlich waren. Wie die genau von Nutzen waren
weiß ich auch nicht, aber ich find das vergleichbar mit dem Szenario,
dass ich unter Umständen etwa in einer unbekannten
Verschlüsselungsmethode eine Periodizität entdecken kann, wenn ich sie
mit einer Zeichenkette aus nur Nullen füttere, und schaue was hinten
rauskommt. Wenn 1254125412541254 bei rauskommt, sagt das ja etwas aus.
Ähnlich wirds wohl mit den Minenfeldern gewesen sein. Die
Kryptoanalytiker hatten wohl sowas wie "Wunschfutter" für die
Verschlüsselung, und die Minenfelder haben das geliefert. Das ist
chosen. Oder?
Ro B. schrieb:> chosen-plaintext-Attacke nützlich waren. Wie die genau von Nutzen waren> weiß ich auch nicht,
Es ging um die sog. 'Bombe'. Eine Maschine in Langley Park, die Alan
Turing konstruiert hatte, die parallel Enigma-Einstellungen ausprobiert
und so geknackt hat.
Was war denn das Problem.
Um die deutschen Funksprüche zu entschlüsseln benötigte man die für den
jeweiligen Tag gültigen Einstellungen. Diese wurden von den Deutschen in
Form von Codebüchern rausgegeben, so dass das größte Ziel der Engländer
war, an diese Codebücher zu kommen. Das ging einige male, aber nicht
immer (die Bücher wurden soviel ich mich erinnern kann jedes Monat neu
rausgegeben).
Die Bombe funktionierte jetzt so, dass sie im Prinzip viele kleine
Enigmas waren, die systematisch Möglichkeiten durchprobiert hat und wenn
im "Klartext" dann bestimmte Wörter korrekt auftauchten oder nahezu
richtige Wörter auftauchten, dann meldete sie diesen Treffer. Das ging
natürlich deshalb sehr gut, weil eine nicht unwesentliche Anzahl an
Nachrichten sich auf das Wetter bezogen (zb für die U-Boot Fahrer im
Atlantik), bzw. mit immer der gleichen Floskel anfingen (Das
Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt ...) bzw. einzelne Funker
gewisse Eigenheiten hatten, die die Engländer kannten.
Und manchmal haben dann eben auch die Engländer dafür gesorgt, dass den
Deutschen Informationen zugespielt wurden, von denen sie wussten, dass
sie über kurz oder lang im Funkverkehr auftauchen würden, was jetzt
natürlich für die Bombe insofern wichtig war, weil man dadurch sicher
sein konnte, dass die Entschlüsselung korrekt war und man auf der
anderen seite dann Klartext-Worte hatte, die in der Entschlüsselung
auftauchen mussten.
Die Bombe konnte natürlich nicht alle Kombinationsmöglichkeiten
durchprobieren, aber Alan Turing hat (auf arbeiten von 2 Polen
aufbauend) Regelmässigkeiten in der Verschlüsselung gefunden, so dass er
die Einstellungen für einen bestimmten Tag zumindest in Teilen aus dem
Funkspruch ableiten konnte (weil er ja zum Teil wusste was drinnen steht
- Wetter, Beginn-Floskeln etc). Und den Rest machte die Bombe. Denn
hatte man erst mal die korrekte Einstellung für einen Tag, dann galt die
ja auch den ganzen Tag und zb für die komplette U-Boot Flotte im
Atlantik.
Das ganze Thema Enigma, Turing und Langley Park ist recht interessant.
Es gibt da auch einige Dokumentationen dazu (auch auf Youtube). Laut
Aussage von Mitarbeitern von dort, hat man die letzten Kriegsjahre die
deutschen Funksprüche routinemässig mitgelesen und wusste ziemlich gut
über Bewegungen bescheid.
Ich kann ja verstehen, daß unsere alten Kriegsveteranen wie Karl Heinz
Buchegger (kbuchegg) (Moderator) bei diesem Thema in alten Erinnerungen
schwelgen. Aber mit der Frage des honorigen Fred vom Jupiter (Gast) hat
das wohl wenig zu tun. Inzwischen sind über 70 Jahre vergangen und das
Gebiet Kryptologie hat sich weiterentwickelt.
Profi schrieb:> Inzwischen sind über 70 Jahre vergangen und das> Gebiet Kryptologie hat sich weiterentwickelt.
Naja, die Grundlagen gelten bis heute. Und aus Fehlern lernt man. Man
kann noch so ein komplexes System mit DSP FPGA und weiß der Teufel zur
Verschlüsselung einsetzen, wenn die Zufallsdaten aus einem LFSR kommen
hilft das wenig...
Frage an den TO: Geht es konkret um irgendein System/Algo oder ist das
eine allgemeine Frage?
Linear Feedback Shift Registers (LFSR) waren vor 60 Jahren Stand der
Technik. NFSR waren schon besser aber heute reden wir von AES256. Und da
hat sich schon mancher die Zähne ausgebissen.
Erstmal vielen Dank für die Interessanten Antworten.
Die Frage schwirrte mir nur schon länger im Kopf rum,
hab keine Hackerambitionen (zumindest nicht was digitale Systeme
betrifft :-))
Fred
das ist vielleicht auch interessant:
http://www.bytereef.org/m4-project-first-break.htmlhttp://www.bytereef.org/m4_project.html
The M4 Project is an effort to break 3 original Enigma messages with the
help of distributed computing. The signals were intercepted in the North
Atlantic in 1942 and are believed to be unbroken. Ralph Erskine has
presented the intercepts in a letter to the journal Cryptologia. The
signals were presumably enciphered with the four rotor Enigma M4 - hence
the name of the project.
Karl Heinz Buchegger schrieb:> Es ging um die sog. 'Bombe'. Eine Maschine in Langley Park, die Alan>> Turing konstruiert hatte, die parallel Enigma-Einstellungen ausprobiert>> und so geknackt hat.
Autsch! Das war doch nicht bei den Amis, sondern in England im Bletchley
Park! Sehr schöne Anlage mit einem interessanten Museum.
Siehe auch http://de.wikipedia.org/wiki/Bletchley_Park
Gruß
Carsten
Hallo,
mit Codes knacken habe ich mal eine Zeit experimentiert.
Am besten fand ich die Matrix-Verschlüsselung.
Also habe ich einen Weg gefunden, um sie zu knacken
Wenn ich das richtig verstehe und du versuchst einen Code zu knacken, so
musst du ungefähr wissen was der Text bedeuten soll.
Bsp:
Ich habe eine Matrix aus sagen wir mal 3 * 3 Feldern:
[ 1 2 4 ]
[ 3 3 3 ]
[ 0 1 5 ]
Wenn du nun dir ein Programm schreibst, was dann diese Matrix mit einer
U-Matrix ( Die Entschlüsselungsmatrix ) jede X beliebige Zahlenstellung
durchgeht, kann es sein, das sich der Code knacken lässt. ( Also ein
richtiger Satz kommt raus ) oder du bekommst mehrere Sätze:
Hallo
Wie gehts
oder
Wenn es regnet....
Dann musst du wissen, was der Kontext halbwegs enthält. Das wird aber in
sehr wenigen Fällen eintreten. Das wäre gut in ein C++ Programm
umzusetzen.
Gruß,
Christoph
Bei der Entschlüsselung kann man sich die Verschlüsselte Nachricht aber
gleich sparen und einfach von einen Programm alle möglichen Texte einer
bestimmten Länge erzeugen lassen. Das Ergebnis bleibt das gleiche.
auch wenns immer noch nicht direkt zum eröffnungsbeitrag passt bleibt es
- zumindest für mich (und ein paar andere) trotzdem ein interessantes
gebiet, daher:
Ro B. schrieb:> Aber die Minenfelder waren ganz klar chosen, denn man> kann ja wählen, wo man das Feld anlegt.
Da kommts jetzt darauf an ob man es auf die Verschlüsselung oder auf das
Koordinaten-Netz abgesehen hat. Klar macht das 2. erst Sinn wenn man das
1. kennt, die grundsätzliche Frage bleibt aber offen ;-)
Wenn ich die Verschlüsselung kenne, dann ist es known, wenn ich nur die
Koordinaten kenne, dann chosen - aber nur die Koordinaten ohne
Verschlüsselung ist nicht besonders sinnvoll wenn der Gegner zusätzlich
zur Verschlüsselung ein eigenes Koordinatensystem einsetzt.