Forum: HF, Funk und Felder Meshtastic und Reichweitenphänomene


von Klaus B. (forrestjump)


Angehängte Dateien:

Lesenswert?

Hallo, setze mich gerade mit Meshtastic auseinander und betreibe einen 
Heltec v4 mit abgestimmter und abgesetzter Teleskopantenne in Höhe eines 
schrägen Dachfensters außen. Standorthöhe etwa 100 Meter im urbanen 
Randgebiet von Mitteldeutschland zwischen Hannover und Kassel.
Innerhalb eines Tages "hört" der Heltec etwa 250 andere Nodes. Teilweise 
welche absurd entfernt wie beispielsweise in England, oder Hamburg, oder 
Stuttgart. Selbst wenn der Lora Chip SX1276 reichlich empfindlich ist, 
so sind mir diese Entfernungen doch reichlich suspekt. Bis mir gestern 
Abend noch was anderes eingefallen ist und zwar Aircraft Scatter. Wie 
wahrscheinlich ist dieses Szenario und gibt es noch andere 
nachvollziehbare Erklärungen? Ja klar weiß ich das einige die Dinger mit 
an Ihren UL Drachen binden und andere Scherze (hat man zu Ostern gesehen 
als das jemand offensichtlich im Bereich Köln gemacht hat) Aber die 
Möglichkeit Aircraftscatter gezielt einzusetzen hat was. Unter 
Amateurfunkern gibt es ja diese Diziplin. Ich komme auch drauf, weil 
eine Hauptflugroute direkt hier über das Weserbergland führt. Ok, aber 
einige werden jetzt den Donatplot einer Teleskopantenne ins Feld führen 
und wenig geeignet für derartiges. Jedenfalls wäre ich an Erklärungen 
interessiert die das Geheimnis dieser enormen nichtmal einmalige 
Reichweite von 2-300 KM oder mehr, wenigstens etwas mehr 
Realitätssubstanz verleihen könnten, damit ich, oder andere die 
Gesamtgemengelage besser einschätzen können.
von Wulf D. (holler)


Lesenswert?

Kenne Meshtastic nicht, werden tatsächlich nennenswert Mengen 
gesicherter Daten übertragen?

Wenn ja, wären das wirklich fantastische Reichweiten die ich mir auch 
nicht erklären kann.

Betreibe seit knapp einer Woche einen Meshcore-Repeater im Norddeutschen 
Tiefland zwischen Hannover und Braunschweig, auf dem Hausdach ca 10m 
hoch.
Meshcore ist glaube ich eine sehr ähnliche Technik, auch LoRa 868 MHz, 
aber bei höherer Datenrate.

Die Reichweite ist viel niedriger, max einige 10km. Ausnahmen sind 
Verbindungen zum ca 100km entfernten Brocken im Harz, aber der liegt 
auch 1100m hoch.
von Gerd E. (robberknight)


Lesenswert?

Der wird die Nachrichten nicht direkt empfangen, sondern eben über 
mehrere Hops.

Das kann man wenn ich mich richtig erinnere in der Detail-Statistik 
unter den Einträgen von den jeweiligen Gegenstellen sehen.

Und was natürlich auch passieren kann ist, dass der Absender der 
Nachrichten da absichtlich oder aus versehen einen unsinnigen Standort 
reinkonfiguriert hat. Natürlich wird das nicht bei vielen sein, aber 
unrealistisch ist es nicht.
von Mario M. (thelonging)


Lesenswert?

Überreichweiten auf UHF entstehen durch Inversionsschichten, an denen 
die Wellen gebeugt und so hinter den Horizont geleitet werden. 
Günstigstenfalls werden die Wellen zwischen zwei Inversionsschichten wie 
in einem Hohlleiter geführt. Der Reichweiten-Rekord liegt bei 1336 km, 
von Portugal zu den Kanaren. Dort scheint die Ausbreitung über dem 
Wasser eine Rolle gespielt zu haben.
von Marek N. (db1bmn)


Lesenswert?

Ja, aber ist es wirklich Tropo?
Von welcher Frequenz reden wir überhaupt?
Zumindest bei APRS war das so, dass man die letzten Digipeater gesehen 
hat, über die das Paket gelaufen ist.
von Jörg W. (dl8dtl) (Moderator) Benutzerseite


Lesenswert?

Marek N. schrieb:
> Von welcher Frequenz reden wir überhaupt?

868 MHz
von Robert M. (r_mu)


Lesenswert?

Wer sagt, dass da korrekte Positionen gesendet werden. In der Software 
kann man einerseits eine fixe Position einstellen, andererseits sollen 
GPS Empfänger auch schon "kreative" Postionen gemeldet haben.

Ausserdem werden von den meisten Meshtastic Nodes Nachrichten 
weitergeleitet, maximal bis zu 7 Hüpfer sind möglich, mit Tricks auch 
mehr (manche Geräte Rolle erhöht bei manchen Empfängern/Sendern den 
Hüpfzähler nicht)
von Robert M. (r_mu)


Lesenswert?

60-70km von Berg zum Hochhaus geht das schon (frei Sicht vorausgesetzt), 
auch mit einfachen +5dBi Antennen.
von Klaus B. (forrestjump)


Lesenswert?

genauer gesagt auf 869.5 MHz. Ja das wäre interessant zu wissen, ob ein 
Knoten meinetwegen in Walsrode der einen Knoten in Hamburg gehört hat, 
das nach weiter südlich per Hop durchreicht. Das wäre eigentlich 
Blödsinn, weil so noch mehr Traffic entstünde. Wenn ich nun diejenigen 
ausschließe die ihrem Node unsinnige Standortdaten verpassen und 
diejenigen die sie mit im Auto, oder UL mit sich rumfahren, bleiben 
immer noch eine Menge unerklärliche Reichweiten übrig. Habe jetzt schon 
2x einen aus England auf der Karte gesehen. Im Flachland mag das noch 
angehen, aber hier mit etlichen 500m Höhenzügen dazwischen eher weniger. 
Interessant ist die bevorzugte Empfangsrichtung die ich vom ADSB Empfang 
her kenne, die eben auch die Charakteristik der Antenne mitsamt ihres 
Standortes  beschreibt, wenn man die Radar Range Ringe einschaltet, 
erscheint nach etwas längerer Zeit eigentlich ein sehr interessanter 
Plot. Die Empfangsrichtung hier ist auch auffällig nach Nord Nord West 
bis West verschoben. MeshCore, oder MeshCom hab ich auch schon 
ausprobiert, aber da ist hier so gut wie nichts los. Bei Meshtastic um 
diese Frage zu beantworten kann man sowohl öffentliche Nachrichten, als 
auch private Nachrichten schreiben. Man legt einfach einen neuen Kanal 
an, generiert einen Schlüssel. Der Buddy legt einen Kanal mit demselben 
Namen an, der Schlüssel wird ausgetauscht und dann ist man verschlüsselt 
unter sich. SDR Angel hat ja ein Meshtastic Decoder PlugIn, mit welchem 
man das sehr gut überprüfen kann. Aber das mit dem Aircraft Scatter werd 
ich mal weiterverfolgen und eine Antenne in Richtung Flugroute richten. 
Eventuell kann das Programm AirScout von DL2ALF dabei helfen.
von Alexander W. (Firma: AW-Elektronik) (alexanderwalter)


Lesenswert?

Klaus B. schrieb:
> so sind mir diese Entfernungen doch reichlich suspekt

das passt schon! Ich baue selbst LoRa-Hardware (LoRaHAM) und habe aus 
dem fahrenden Auto heraus 230 km überbrückt (Wasserkuppe, DB0WK). 
Allerdings auf 433 MHz und nicht 868 MHz. Dennoch sind die Reichweiten 
in etwa gleich einzuordnen.
von Robert M. (r_mu)


Lesenswert?

Klaus B. schrieb:
> Das wäre eigentlich
> Blödsinn, weil so noch mehr Traffic entstünde.

Meshtastic ist da durchaus sehr doof was das anbelangt. Jedes Gerät 
schickt alle empfangenen Nachrichten die an jemand anderen adressiert 
sind auch wieder hinaus (wenn Hop-Count noch nicht 0). CLIENT mit bissl 
Verzögerung und lassen es eventuell wenn sie eine Kopie empfangen. 
ROUTER schicken alles sofort wieder raus. Dann gibts auch Mischformen.

Die App zeigt einem übrigens die Anzahl der Hops an die eine Nachricht 
genommen hat bzw. wieviel noch "übrig" sind. Es gibt auch eine 
traceroute-Funktion, die die genommenen Relaystationen mit aufzeichnet, 
das geht aber nur durch, wenn wenig Verkehr ist.

Ich seh hier (Linz/Österreich, sehr schlechte Empfangsposition in einem 
Tal) Knoten bis Augsburg, die sind natürlich alle nicht direkt. Direkten 
Kontakt gibts mit 2 oder 3 anderen Knoten, abhängig vom Wetter.
von Wulf D. (holler)


Lesenswert?

Klaus B. schrieb:
MeshCore, oder MeshCom hab ich auch schon
> ausprobiert, aber da ist hier so gut wie nichts los. Bei Meshtastic um
> diese Frage zu beantworten kann man sowohl öffentliche Nachrichten, als
> auch private Nachrichten schreiben. Man legt einfach einen neuen Kanal
> an …

Mir liegt fern für Meshcom zu werben, aber auf den öffentlichen Kanälen, 
den sog. Hashtag-Kanälen oder Public, kommen stündlich hunderte 
Nachrichten. Auch etliche aus dem Raum Kassel oder Göttingen.

Vielleicht hattest du die entsprechenden Kanäle nicht gebucht oder die 
Hardware unpassend konfiguriert.
von Frank D. (Firma: LAPD) (frank_s634)


Lesenswert?

Freie Sicht, sprich Höhe ist alles.  Wer tief im Loch sitzt hat Pech 
gehabt, für den bleiben nur noch Experimente mit Joghurtbechertelefonen.
von Klaus B. (forrestjump)


Lesenswert?

Hallo Wulf, das ist durchaus möglich, denn gesehen habe ich etwa 6 Nodes 
hier in der näheren Umgebung. Dann hatte ich gelesen das man eine 
sogenannte Flood Nachricht schicken sollte um sich anderen bekannt zu 
machen, jedoch es tat sich nichts. MeshCore sendet etwas versetzt von 
der Meshtastic Frequenz auf 869.618 MHz und im Wasserfall von SDR Angel 
habe ich nie irgendwelche Pakete gesehen, denn ich wollte mal gucken ob 
diese womöglich auch vom Meshtastic Decoder verarbeitet werden, wobei 
die Bandbreite und der Spreading Faktor da doch anders sind. Insgesamt 
soll MeshCore das besser organisierte Netz haben, deswegen wollte ich 
das mal ausprobieren.
von Wulf D. (holler)


Lesenswert?

Hallo Klaus,
auch das MeshCore Netz ist noch experimentell, blicke bislang nicht 
richtig durch. Immerhin lässt sich das Weiterleiten der Nachrichten 
sinnvoll begrenzen, da man beim Senden eine Region mitgeben muss. Und 
der Repeater leitet nur weiter, wenn die Nachricht zu seiner 
Regionsliste (Scopes) passt.

Per default sieht man nur den public Kanal. Alles andere muss man selbst 
hinzufügen.

Und wenn man das Modul unvollständig konfiguriert geht wenig bis gar 
nichts.
Gibt aber schon genug Infos im Netz.
von .● Des|ntegrator ●. (Firma: FULL PALATINSK) (desinfector) Benutzerseite


Lesenswert?

Derzeit gibt es recht oft in den Abendstunden 21 bis 23h
auf UKW Überreichweiten.
Das höre ich mit nem kleinen Radio Im Badezimmer
Statt NDR2 96,3 ist dort dann

RadioNL
Sender Dokkum/Birdaarderstraatweg
zu hören

vorgestern direkt den Wechsel gehört.
ca 5 Sekunden lang immer stärker werdendes Rauschen
und ffffwwwip ... Radio op Nederlands
und glasklar ohne Rauschen.

vielleicht geht in den höheren Freq auch was?

BTW für mich ist da noch Ostfriesland,
die Elbe und 10km Holstein dazwischen
: Bearbeitet durch User
von Flöte (nsolo)


Lesenswert?

Klaus B. schrieb:
> SX1276

Im Heltec V4 ist ein SX1262 verbaut.

Ich bekomme in Nordbayern auch Knoten aus München, Frankfurt, 
Badkissingen und Frankreich angezeigt.

Manchmal mit mehreren Hops, manchmal mit nur einem.

Es kann natürlich auch sein, dass jemand eine fixe Position eingestellt 
hat. Hatte damals (auch schon wieder über 6 Jahre her) immer Weihnachts- 
und Osterinsel eingestellt bei ersten Tests.
von Stefan P. (form)


Lesenswert?

Schaut euch lieber mal Meshcore an. Das hat in Deutschland das alte 
Meshtastic mittlerweile fast vollständig verdrängt, weil es einfach 
besser designed ist und stabiler funktioniert. Bis auf ein paar kleine 
Inseln von hartnäckigen Fans gibt es da kaum noch was.
von Klaus B. (forrestjump)


Lesenswert?

mal gucken wie es mit abgeschaltetem MQTT aussieht. Wer weiss, wie das 
da hereinspielt.
von Klaus B. (forrestjump)


Lesenswert?

Moin, noch ein Experiment....
Über Nacht SDR Angel mit Meshtastic Decoder an einem Pluto laufen 
lassen. Die gesammelten Daten im oberen Fenster kopiert und in Notepad++ 
eingefügt. Dann nach lat /lon gesucht und hier 
https://gps-coordinates.org  einige zum Test eingegeben. Auch hier 
bestätigt sich die enorme Reichweite von 100 KM, oder mehr. Bliebe noch 
falsche GPS Standorteingaben.
Man selbst kommt mit einer HaFu und 2 Watt kaum 2 KM weit, nur weil ein 
bischen Berg, Gebäude und Gebüsch dazwischen sind.
Wie ist so ein SX1262 aufgebaut das er noch Dinge unter der Grasnabe 
hören kann, insbesondere deswegen, weil das SRD Band inzwischen total 
verseucht von RTK Signalen massenhaft verkaufter Mähroboter ist?
von Stefan P. (form)


Lesenswert?

Solche Reichweiten sind mit LoRa schon möglich, ist ja genau dafür 
gemacht.
Es dekodiert relativ zuverlässig bis etwa 15 dB UNTER DEM RAUSCHEN.
Habe auch schon Direktverbindungen über 100 km gehabt - mit kleinen 3 
dBi Antennenstummeln auf jeder Seite. War aber freie Sichtverbindung.

Bei deiner Beobachtung hast Du aber vermutlich auch Positionsdaten von 
Stationen hereinbekommen die Du nicht direkt selbst gehört hast, sondern 
die über andere weitergeleitet wurden. Da musst Du dann auf die Anzeige 
der zurückgelegten Hops achten.
von Helmut -. (dc3yc)


Lesenswert?

Ich beschäftige mich seit Jahren mit dem LoRa-Empfang von 
Nano-Satelliten, die im LEO schweben. Da sind Reichweiten von 2000km 
keine Seltenheit. Teilweise sind die Signale mit Elevationen von unter 
Null Grad aufzunehmen, weil sie an irgendwelchen Flächen reflektiert 
werden. SNR-Werte sind teilweise bei -17dB bei einem RSSI von -130dBm. 
Frequenzen sind 400...450MHz. Bei 868MHz sind wenige Satelliten 
unterwegs, aber da geht es auch bis knapp 1500km. Als Antennen dienen 
entweder Groundplane, QFH oder Dipol. Siehe www.tinygs.com.
: Bearbeitet durch User
von Günter R. (guenter-dl7la) Benutzerseite


Lesenswert?

@Helmut: was hast du als RX-Board für 433 MHz? auf 868 mit einen 
LILYGO-LORA32 ist mir noch nichts gelungen. Chancen?
von Alexander (alecxs)


Lesenswert?

Stefan P. schrieb:
> Habe auch schon Direktverbindungen über 100 km gehabt - mit kleinen 3
> dBi Antennenstummeln auf jeder Seite. War aber freie Sichtverbindung.

Noch so ein Flat-Earther.
von Jörg W. (dl8dtl) (Moderator) Benutzerseite


Lesenswert?

Alexander schrieb:
> Stefan P. schrieb:
>> Habe auch schon Direktverbindungen über 100 km gehabt - mit kleinen 3
>> dBi Antennenstummeln auf jeder Seite. War aber freie Sichtverbindung.
>
> Noch so ein Flat-Earther.

Irgendwas hast du an Antennenhöhe nicht verstanden.
von Alexander (alecxs)


Lesenswert?

Stefan P. schrieb:
> freie Sichtverbindung

Auf dem Burj Khalifa vielleicht.
von Wulf D. (holler)


Lesenswert?

Alexander schrieb:
> Stefan P. schrieb:
>> freie Sichtverbindung
>
> Auf dem Burj Khalifa vielleicht.

Zum Beispiel. Oder wie in meiner allerersten Antwort, vom Broken im Harz 
(1150m) ins Norddeutsche Tiefland Nähe Hannover (70m).

Sind über 100km und verbinden sich problemlos via LoRa 868 MHz.
von Klaus B. (forrestjump)


Lesenswert?

also ich bin erstmal desillusioniert. Ohren wie eine Schnee Eule zu 
haben ist ja ganz nett, aber ich komm hier nicht von der Ranch, ohne das 
ein anderer Node in Quasi Sichtweite ist. Irgendwie ist das paradox jede 
Menge Nodes aus Hannover und gar bis fast nach Osnabrück zu sehen, aber 
selbst wird man nicht gehört. Mal nach einem anderen Standort umschauen.
Aber nach dem Tip hier werden die Erfolgsaussichten mit dem Heltec v4 
hoffentlich steigen ;-)
https://www.haraldkreuzer.net/aktuelles/lora-mit-dem-esp32-und-semtech-sx1262

...... Wichtig: Anders als bei der V3 muss dieser externe Verstärker 
(GC1109) explizit per Software aktiviert werden. Damit das Board nicht 
im schwachen "Bypass-Modus" verbleibt, müssen zwingend GPIO 7 
(Stromversorgung/VFEM), GPIO 2 (Chip Enable/CSD) und GPIO 46 (Power 
Mode/CPS) auf HIGH gesetzt werden.
: Bearbeitet durch User
Bitte melde dich an um einen Beitrag zu schreiben. Anmeldung ist kostenlos und dauert nur eine Minute.
Bestehender Account
Schon ein Account bei Google/GoogleMail? Keine Anmeldung erforderlich!
Mit Google-Account einloggen
Noch kein Account? Hier anmelden.